Göttinger Mittagstisch in St. Michael besteht seit 25 Jahren

Eine warme Mahlzeit und soziale Kontakte

Seit 25 Jahren besteht der Mittagstisch in der Göttinger Gemeinde St. Michael. Beim Straßenfest sitzen Akademiker und Bedürftige nebeneinander.

Leiter Ralf Reinke (rechts) freut sich über zahlreiche Gäste beim Straßenfest zum 25-jährigen Bestehen des Mittagstisches in St. Michael. Fotos: Fricke

Die Initiative für den Mittagstisch ging vom damaligen Pfarrer der Gemeinde aus. Pater Heribert Graab wollte den vielen Hilfesuchenden, die an der Pfarrtür um Geld für Essen baten, einen Platz bieten. Die Einrichtung entwickelte sich rasch zur Anlaufstelle für Bedürftige aus dem Drogenmilieu, Alkoholabhängige und Wohnungslose oder für vereinsamte Senioren mit geringem Einkommen, berichtet Mittagstisch-Leiter Ralf Reinke. Sie füllte damals eine Lücke im niederschwelligen Angebot für Suchtkranke in Göttingen. So waren anfangs Drogen ein großes Problem für den Mittagstisch, denn die Polizei kontrollierte zeitweise täglich die Einrichtung. „Heute ist es viel entspannter geworden“, betont Reinke.

Am Wochenende kochen Ehrenamtliche

Jeden Tag wird eine warme Mahlzeit angeboten – werktags ein Eintopf, den die Göttinger Tafel aus Großküchen von Kliniken, Mensen oder Hotels bezieht und anliefert. Am Wochenende und an Feiertagen kochen Ehrenamtliche, dann gibt es ein Gericht mit Fleisch und Kartoffeln oder Nudeln und Salat. Die Zutaten werden gespendet. An den Werktagen kommen 40 bis 50 Gäste, an den Wochenenden sind es schon mal 60 bis 80.
Das ehrenamtliche Team umfasst zwischen 40 und 50 Menschen, die einen Teil ihrer Freizeit für eine gute Sache opfern. Von Beginn an dabei sind Marianne und Peter Krause. „Meine Motivation kommt vom Christentum her, aus meinem Glauben. Ich bin der Meinung, dass man nicht nur in die Kirche gehen und beten, sondern auch etwas tun soll“, sagt Peter Krause. Gemeinsam mit seiner Frau ist er im vergangenen Jahr für sein Engagement mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet worden.

Ohne ehrenamtliche Helfer wie Peter und Marianne Krause (mit roten Schürzen) wäre das Angebot nicht möglich.

Doch es ist nicht nur das Essen, auch die zwischenmenschlichen Kontakte sind wichtig: „Zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf“, erzählte ein Stammgast, der seit einem Jahr auch selbst beim täglichen Ablauf mithilft. Der Mittagstisch sei für ihn wie ein zweites Zuhause geworden.

Immer auf Spenden angewiesen

Schwierig war in den 25 Jahren immer wieder die Finanzierung. Es gebe einen kleinen Zuschuss von der Stadt Göttingen und Dekanatsmittel aus dem freiwilligen Kirchgeld, aber insgesamt sei der Mittagstisch immer auf Spenden und Kollekten angewiesen, erklärt Reinke: „Wir benötigen pro Jahr rund 80 000 Euro.“

Ralf Reinke scheidet krankheitsbedingt zum ersten Dezember aus. Seine Nachfolgerin wird Rentnerin Anna Werner-Parker, die schon seit über 20 Jahren im ehrenamtlichen Team dabei ist. Ein Ende des Projektes ist auch nach 25 Jahren nicht absehbar, denn der Mittagstisch wächst ebenso wie die Bedürftigkeit der Menschen in der Gesellschaft.
 

Susanne Fricke