13.09.2017

Großes Danke-Fest für unseren Bischof

Die Geburtstags- und Abschiedsfeier für Bischof Norbert Trelle war ein großes Fest des Dankes und der Anerkennung – und eine tolle logistische Leistung. Viele Männer und Frauen sorgten im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf.

Der Bischof verteilt selbst: Der Geburtstagskuchen
findet schnell seine Abnehmer und mancher nimmt
gern ein zweites Stück.| Fotos: bph/Gossmann

So einen Schokoladenkuchen hat das Bistum noch nicht gesehen: Fünf Quadratmeter groß, gebacken aus 38 Kilogramm Mehl, 460 Eiern, 12 Kilo Butter, 8 Kilo Zucker und unglaublichen 11 Litern Schokolade. Während ihn zehn Mitarbeiter von Godis Backstube in kleine Stücke teilen, drängen sich schon zahllose Geburtstagsgäste des Bischofs um den eigens dafür aufgebauten Tisch. Und endlich kommt er dann auch selbst von der Bühne zum Kuchenessen: Norbert Trelle, kürzlich 75 Jahre alt geworden und genau genommen schon Bischof a.D., denn wie während des feierlichen Gottesdienstes am Sonnabend im Dom bekannt wurde, hat Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch angenommen.
 

Glückwunsch und Abschied: Der Apostolische
Nuntius Nikola Eterovic übermittelt die Annahme
des Rücktritts durch den Papst.

Viele Gründe zu feiern also, und genau das machen die Menschen an diesem Wochenende auch. Wochenlang haben Mitarbeiter der Kirche, Musiker und externe Helfer das Fest vorbereitet. Der Dom- und der Kammerchor haben gemeinsam mit Sängerinnen der Mädchenkatorei unter Leitung von Thomas Viezens geprobt und nochmals geprobt. Das Sekretariat hat Einladungen verschickt, Pastoralreferent Thomas Harling das Unterhaltungsprogramm für einen ganzen Nachmittag zusammengestellt. Die Malteser haben Essen gekocht: 1400 Portionen Nudeln und Gemüsesuppe, die sie nach dem Gottesdienst an die Besucher verteilen wollen. Auf dem Parkplatz stehen Übertragungswagen von SAT 1 und vom NDR.

Der Domhof als wetterfestes Festgelände
 

Stimmung auf dem Domhof: Am Nachmittag gab
es ein buntes Bühnenprogramm mit Musik und Show.

Viele Helfer haben den Domhof in ein Festgelände verwandelt, haben eine große Bühne und Zelte aufgebaut – und dann noch einmal zusätzliche Zelte, wie Matthias Mehler von der Event Werft erzählt: „Vor allem natürlich mit Blick auf das Wetter, klar. Sollte es regnen, was wir ja nicht hoffen, dann müssen die Leute irgendwo im Trockenen Platz finden. Und zwar alle.“ Die ersten Gespräche zu den Planungen haben bereits im vergangenen Sommer stattgefunden, sagt er. „Da kamen wir ziemlich schnell drauf, dass wir eine Biergartenatmosphäre herstellen wollen. Der Bischof ist ja ein großer Fan von Biergärten.“ Und so stehen nun Holztische und -bänke auf dem Domhof, Platz genug für viele hundert Menschen.
 

Zeichen der Ökumene: An der Verabschiedung
von Bischof Trelle nahmen zahlreiche evangelische
Geistliche teil.

Einige verfolgen bereits den Gottesdienst draußen auf der Leinwand, die Gebete, die Festreden und die Glückwünsche, die an Norbert Trelle gehen – der Dom selbst ist während der Messe rappelvoll.

Im Anschluss strömen die Menschen in den Domhof, die Glocken läuten, der repräsentative Auszug wird von vielen Handykameras begleitet. Eine Frau versucht zu telefonieren, muss aber einsehen, dass das unter diesen Umständen sinnlos ist: „Ich kann dich nicht verstehen“, ruft sie mehrmals sehr laut, „ich versteh kein Wort. Ich leg jetzt auf, ja? Hörst du? Ich leg auf, tschüß.“
 

Ganz in Lila: Bischöfe aus vielen Teilen Deutschlands
feierten mit Norbert Trelle Gottesdienst.

Wie auf Bestellung bricht die Sonne durchs Grau. Die Wolken, eben noch dicht und tief, verziehen sich, der Himmel strahlt in schönstem Blau. Jetzt ist es Zeit für ein Bier, für einen Teller Suppe, für Begegnungen mit allen, die man bei solchen Feiern eben so trifft. Der Bischof bleibt noch eine Weile abseits stehen, umringt von den Menschen, die ihm persönlich zum Geburtstag gratulieren wollen. Manche haben ihm Geschenke mitgebracht, andere wollen ihm einfach mal die Hand schütteln, ein kleines Mädchen streckt ihm die Arme entgegen. Trelle lacht und hebt sie hoch, auf seinen Arm.

Geburtstagsglückwünsche als Videobotschaft
 

An den Tischen war kaum noch ein Platz zu finden:
Menschen aus dem ganzen Bistum sind nach
Hildesheim gekommen.

Auf der Bühne spielen Brabadru, eine Band aus Neuwulmsdorf, und das Klangorchester St. Franziskus vom Röderhof, danach wird fleißig weiter gratuliert: In kleinen Videobotschaften überbringen Wegbegleiter und Fans Norbert Trelle ihre Glückwunsche. Ministrantin Lara Maria Heidenreich zum Beispiel oder das Hildesheimer Weinkonvent, das jährlich den Weinzehnt als Pacht für den kleinen Berg im Magdalenengarten „unserem geliebten Bischof“ überbracht hat. Pas­toralreferent Hans-Georg Spangenberg aus Hameln plaudert in seinem Video Insiderwissen aus: „Der Bischof hat mir mal erzählt, dass er total gerne Rasen mäht. Das macht er jeden Montag, und das ganze Wochenende freut er sich darauf.“ Es sind persönliche, herzliche, lustige und ernste Botschaften, die die Menschen an Norbert Trelle richten. Sie erzählen vom Gärtnern, vom Fußball, von allem, was ihr Leben an das der Kirche bindet. Oft sind es ganz kleine alltägliche Begebenheiten, die zeigen, was für eine wichtige Rolle der Glaube, aber auch Trelle als Person, für sie spielt. Die wahrscheinlich rührendste Nachricht kommt von einem Jungen, vielleicht 14 Jahre alt, der auf dem Röderhof lebt. Er wird nie vergessen, erzählt er, wie der Bischof ihm auf einer Feier einmal ein Stück Kuchen gereicht hat. „Das war unglaublich schön, ich hab mich gefühlt wie ein Jünger, dem Jesus beim Abendmahl ein Stück Brot gibt.“

Ob sich so auch die vielen Besucher am Nachmittag fühlen, als Norbert Trelle seinen riesigen Schokoladenkuchen unter ihnen verteilt, weiß man nicht. Fest steht aber, dass das Gedränge um den Tisch eine ganze Stunde lang nicht abreißt. „Boah, ist der lecker“, sagt eine Frau und wischt mit dem Finger die Krümel vom Teller auf, „kann ich noch ein Stück haben?“ Kann sie selbstverständlich, noch ist schließlich genug Kuchen da.

Bischof Norbert Trelle war ansprechbar und geerdet

Zum Essen spielt das Hildesheimer Liebesgrundquartett Lieder, die klingen, als fände dieses Fest im Berlin der Goldenen Zwanziger statt. Der Auftritt der Vier in Anzügen, weißen Hemden und Schiebermützen ist eine einzige Hommage an Stil und Eleganz und klugen Witz, an die Zeit des Swing und Jazz, an Sonntage, die die Fräuleins mit dem Liebsten in einem Boot verbrachten und an Abende in verrauchten Salons. Witz haben auch Schmitz' Katzen, ein Improtheater aus Hildesheim. Begleitet von Jannis Kaffka am Klavier endet ihre kleine Show mit einem Lied, nur für Norbert Trelle geschrieben und gesungen: „Nimm meine Hand, ich sag heute danke“.
Danke sagen Hunderte an diesem Tag. Ihrem Bischof, nicht nur für sein soziales Engagement, nicht nur für seine Leistungen wie die Sanierung des Doms. Vor allem dafür, dass er einer von ihnen war. Präsent in ihrem Leben, ansprechbar, geerdet. Und dafür, dass er es bleiben wird, Norbert Trelle, auch als Bischof außer Dienst.

Kahti Flau

 

 

» Ich fand es eindrucksvoll, wie es Bischof Norbert gelungen ist, die Würde seines Amtes mit persönlicher Wärme und Nähe zu verbinden. «

Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident

 

» Wir bedanken uns für das Vertrauen, dass Sie in Ihre Priester gesetzt haben. «

Domkapitular Wolfgang Voges, Moderator des Priesterrates
 


» Sie gehen als guter ökumenischer Freund aus dem Amt. «

Ralf Meister, Landesbischof

 

» Dieses Amt, das er über zwölf Jahre ausführte, endet heute. «

Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius

 

Dank Ihnen haben der Dom und Hildesheim an Strahlkraft gewonnen. «

Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister von Hildesheim

 

» Sie haben Freiräume für die pastorale Neugestaltung des Glaubenslebens eröffnet. «
 
Claus-Dieter Paschek, Vorsitzender des Diözesanrates