26.07.2017

Stabilität für den Moment

Die Zahl der Katholiken im Bistum Hildesheim ist im Jahresvergleich 2015 zu 2016 nahezu gleichgeblieben. Doch das ist nur eine Momentaufnahme. Das Bistum muss sich auf einen Schrumpfungsprozess einstellen.

Spürbarer Rückgang: Die
Zahl der Katholiken im
Bistum hat deutlich abge-
nommen. | Grafik: Beckers

Am Jahresende 2016 lebten im Bistum Hildesheim 610 216 Katholiken, 836 weniger als im Vorjahr. Dass die Zahl nicht wesentlich stärker gesunken ist, hat vor allem einen Grund: Es gab erheblich mehr Zuzüge von Katholiken aus anderen Bistümern und anderen Ländern ins Bistum Hildesheim als Abwanderungen.

5527 Austritten und 5439 Bestattungen standen nur 3559 Taufen gegenüber. 241 Menschen fanden nach einem Austritt den Weg zurück in die Kirche, 139 traten von einer anderen Konfession zum katholischen Glauben über. Ohne Wanderungsbewegung wäre dies ein Minus von über 7000 Gläubigen.

Zwar ist der sonntägliche Messbesuch längst nicht mehr das einzige Kriterium für eine Verbundenheit mit der Kirche, dennoch spielt er für die Lebendigkeit der Gemeinden eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hildesheim liegt hier gemeinsam mit dem Bistum Aachen an letzter Stelle aller deutschen Bistümer: An den beiden Zählsonntagen nahmen 7,8 Prozent aller Kirchenmitglieder am Gottesdienst teil, zur Jahrtausendwende waren es noch mehr als 13 Prozent.

Austrittsquote höher als im Durchschnitt

Seit Jahren liegt die Austrittsquote im Bistum Hildesheim höher als im Bundesdurchschnitt. 2016 verließen 0,9 Prozent der Katholiken im Bistum Hildesheim die Kirche, im Nachbarbistum Osnabrück, das weniger großstädtisch geprägt ist, lag die Quote nur halb so hoch. Bundesweit betrug sie 0,7 Prozent.  Seit langem rechnet das Bistum mit einem kontinuierlichen Schrumpfungsprozess, der auch durch den demografischen Wandel bedingt ist. Berechnungen gehen davon aus, dass die Zahl der Katholiken bis zum Jahr 2050 auf etwa 360 000 zurückgehen wird.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass dieser Prozess längst begonnen hat: Vor zehn Jahren, 2007, zählte das Bistum noch 645 000 Katholiken, 35 000 mehr als heute, im Jahr 2000 waren es noch über 680 000. Die Austritte summieren sich in den letzen zehn Jahren auf fast 53 000.

Evangelische Kirche schrumpft noch stärker

Noch deutlich härter trifft es die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die größte Landeskirche in Deutschland. Sie verlor allein im letzten Jahr von ihren 2,67 Millionen Mitgliedern 46 000, das sind mehr als 1,7 Prozent, über 20 000 davon durch Austritt.

Matthias Bode