17.09.2015

Themenwoche Familie "Liebe leben"

Unauflöslichkeit der Ehe muss sicher sein

Nicht nur die deutsche Sicht: Zum Thema Familiensynode das ausführliche Interview mit Bischof Joseph Arshad aus Faisalabad, Pakistan.

Bischof Joseph Arshad
Foto: missio

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Themen der Synode?

Das erste Thema ist die Rolle der Familie in der Kirche. Das Konzil betrachtet die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, als „Heiligtum des Lebens“ und als Hauskirche. Als Hauskirche wirken die Familien durch die Gnade des Ehesakramentes in ihrer Umgebung als Zeugen Christi. Unsere Zeit ist stark von einer Wegwerfkultur, von Materialismus, Modernismus, Individualismus und Globalisierung geprägt. In einer solchen Zeit ist die Solidarität in der Kirche wichtig. Sie beruht auf gegenseitigem Vertrauen von Hirten und Herde. Die Schafe müssen zu jeder Zeit die Stimme ihrer Hirten erkennen und bereit sein, ihnen tagein tagaus zu folgen. Wir Hirten müssen heutzutage Jesus nacheifern, der sich wieder und wieder der Kranken und Sünder erbarmt hat.

Das nächste Thema ist der Ansatz der Synode 2014 zum Verhältnis von Kirche und Welt. Wir glauben, dass der Schöpfer immer aktiv in der Geschichte ist. Er verwandelte Chaos in den Kosmos und vertraute Adam die Schöpfung an. Dieser Prozess ist nicht zu Ende. Gott sandte seinen Sohn in die Welt, um sein Königreich auf Erden sichtbar zu machen. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“, sagte Jesus, und vertraute den Aposteln die Aufgabe an von diesem Königreich zu predigen, das so übervoll ist von Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und Vergebung. Die Synode von 2014 sagt: „Damit die Umkehr wirklich an Bedeutung gewinnt, umfasst sie auch die Sprache.“ Maria kann mit ihrer Zärtlichkeit, Güte und mütterlicher Feinfühligkeit den Hunger der Menschheit stillen und das Leben selbst nähren. Daher sollten Familien und das christliche Volk ihre Fürsprache suchen. Seelsorge und Marienverehrung sind geeignete Ausgangspunkte für die Verkündigung des Evangeliums der Familie.

Das dritte Thema ist das Verhältnis von Ehe und Familie. In der christlichen Ehe geloben der Bräutigam und die Braut, sich bis zum Tod treu zu lieben, Kinder zu zeugen, eine Familie zu gründen und ihre häuslichen Pflichten zu erfüllen. Jesus Christus erhob die Eheschließung zum Sakrament. Eine wahre katholische Familie als „Hauskirche“ ist die Frucht der unauflöslichen Ehe von Mann und Frau, die das Evangelium lebt und dem Lehramt der Kirche folgt. Leider befinden sich einige einst katholische Länder in einer Glaubenskrise. Da sie nicht nach den Werten des Evangeliums leben, erleben sie eine Krise nach der anderen. Das erstreckt sich auch auf das Zusammenleben ohne rechtlich und gültig verheiratet zu sein. Die Ortskirchen müssen das wahre Familienleben und seine Werte fördern.

 

In Deutschland schauen viele Menschen vor allem auf die Fragen des Sakramentenempfangs von wiederverheiratet Geschiedenen und des Umgangs mit Homosexuellen. Rechnen Sie in diesen Feldern mit neuen Bewertungen oder einer neuen Praxis?

Ich stimme der „Relatio Synodi“von 2014 zu. Dort heißt es im Artikel 51: „Auch die Situationen der wiederverheirateten Geschiedenen verlangen eine aufmerksame Unterscheidung und von großem Respekt gekennzeichnete Begleitung, die jede Ausdrucksweise und Haltung vermeidet, die sie als diskriminierend empfinden könnten. Stattdessen sollte ihre Teilnahme am Leben der Gemeinschaft gefördert werden. ....“ Und Nr. 52: „Es wurde über die Möglichkeit nachgedacht, wiederverheiratete Geschiedene zum Sakrament der Buße und der Eucharistie zuzulassen. Mehrere Synodenväter haben auf Grund der konstitutiven Beziehung zwischen der Teilnahme an der Eucharistie und der Gemeinschaft mit der Kirche und ihrer Lehre über die Unauflöslichkeit der Ehe auf der derzeitigen Regelung bestanden. Andere haben sich für eine nicht zu verallgemeinernde Zulassung an den Tisch der Eucharistie ausgesprochen – und zwar in einigen besonderen Situationen und unter genau festgelegten Voraussetzungen, vor allem wenn es sich um unumkehrbare Fälle handelt, die mit moralischen Verpflichtungen gegenüber den Kindern einhergehen, die ungerechtem Leid ausgesetzt würden. ... Diese Frage gilt es aber noch zu vertiefen ... “

Was den pastoralen Umgang mit Personen mit homosexuellen Tendenzen angeht, so ist die Position der Kirche in der „Relatio Synodi“ klar formuliert. Nr. 55 sagt: „Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. Dennoch müssen Frauen und Männer mit homosexuellen Tendenzen mit Achtung und Feingefühl aufgenommen werden. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen.“

 

Müssen höhere Anforderungen an das Wissen um das Ehe- und Sakramentsverständnis der katholischen Kirche bei den Paaren gestellt werden?

Das katholische Verständnis der Ehe könnte überdacht werden unter der Wahrung des Grundcharakters der katholischen Ehe als Sakrament. Unser Heiliger Vater will eine sorgfältig formulierte, pastoral richtige und angemessene Antwort auf die Eheprobleme unserer Zeit. Trotz einer tiefen Sorge um die Gemeindemitglieder muss die Unauflöslichkeit der Ehe aber gesichert sein.

Scheidung, unnötige dauerhafte Trennung, Polygamie, Polyandrie, gleichgeschlechtliche Ehen sind das Ergebnis der Sklaverei fleischlicher Begierden, des Einflusses von nicht-katholischer religiöser Philosophie und säkularisierter Vorstellungen im Gegensatz zur Lehre der Kirche. Die Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau kann nicht gelöst werden, außer in Fällen von Nicht-Vollzug der Ehe, dauerhafter Impotenz, Gebärmutterkrebs und eines mangelnden Ehewillens. Jeder katholische Ehemann und jede katholische Ehefrau sind aufgerufen, fest in ihrem katholischen Glauben zu stehen und miteinander feindliche Versuchungen gegen ihr Eheleben zu überwinden. Die gegenseitige Liebe der Ehegatten, ihre Liebe zu Gott, ihren Kindern und ihrem Hausstand sowie ihr kompromissloses Bekenntnis zum katholischen Glauben sollten nicht ignoriert werden.

Von interreligiösen Ehen und Mischehen sollte abgeraten werden, wenn sie die sakramentale Bedeutung der Ehe beschädigen. Der Kampf der Überzeugungen und konfessionelle Vorurteile erzeugen Spaltungen zwischen den Ehepartnern. Verheiratete Paare müssen lernen, unterschiedliche Meinungen, Sitten und Temperamente zu ertragen. Sie sollten unnötigen Streit vermeiden und sich stattdessen mehr und mehr bemühen, sich gegenseitig zu verstehen. Ehepartner sollten vorsichtig mit der Wahl ihrer Freunde sein, die ihre Ehe gefährden könnten. Gemeinsam in der Gemeinde und zu Hause Gottesdienst zu feiern, hält die Familie zusammen. Eine Familie, die zusammen betet, bleibt auch zusammen.

 

Welche Haltung soll die Kirche gegenüber jenen Paaren einnehmen, die (noch) keine kirchliche Ehe eingehen möchten?

Die Kirche bemüht sich, die Würde der Paare zu beachten, die noch nicht eine kirchliche Ehe eingegangen sind. In der Pastoral ist es neu, die positiven Aspekte von zivil geschlossenen Ehen zu würdigen, die sich offensichtlich von einem bloßen Zusammenleben unterscheiden.

Die Kirche würdigt die positiven Elemente in einer Situation, die noch nicht oder nicht mehr ihrer Lehre entspricht. Die Türen der Kirche stehen Paaren offen, die ihre nicht kanonisch korrekt geschlossene Ehe korrigieren wollen. Die Ortsordinarien sind berechtigt, eine solche Ehe durch die “sanatio in radice” für gültig zu erklären. Es gibt je nach Land unterschiedliche Regeln, katholische Eheschließungen zu registrieren. Deswegen müssen die Bischöfe sicherstellen, dass katholische Ehen im Einklang mit dem Kirchenrecht geschlossen werden.