21.06.2017

Fast sieben Jahrzehnte haben die Salesianer die Pfarrgemeinde St. Augustinus in Hannover geprägt.

Viel Freiraum für die Gläubigen

Fast sieben Jahrzehnte haben die Salesianer die Pfarrgemeinde St. Augustinus in Hannover geprägt: Erst durch die Gründung ihrer Niederlassung am Standort wurde die Pfarrei gegründet und eine Kirche gebaut.

Pater Jochen Aretz und Pater Harald Neuberger.
Nur schweren Herzens verlassen sie Hannover:
Pater Jochen Aretz (links) und Pater Harald Neuberger.
| Fotos: Marie Kleine

„Vorher gab es keine katholische Kirche im Stadtteil und der Bereich war ein Teil der Pfarrgemeinde St. Godehard“, sagt Pater Jochen Aretz. Sein Orden kam damals, 1950, nach Hannover. Die niedersächsische Hauptstadt war noch schwer gezeichnet vom Zweiten Weltkrieg und Wohnraum war knapp. Die Ordensbrüder bauten das Don-Bosco-Haus, ein Wohnheim für Lehrlinge, in dem zunächst rund ein Dutzend junger Männer wohnte.

Im Sinne Don Boscos gewirkt

„Von unserer Ordenssendung her hat diese Aufgabe sehr gut gepasst“, blickt Pater Aretz zurück. Denn sich um junge Menschen in schwierigen Verhältnissen zu kümmern, sie auf ihrem Lebensweg zu unterstützen war eines der Hauptanliegen des Ordensgründers, des heiligen Johannes Don Bosco.

1976 wurde aus dem Lehrlingswohnheim eine Jugendbildungsstätte, in der bis 1999 Orientierungstage angeboten wurden und Schulklassen Einkehrtage abhielten. Mit dem Aus für die Bildungsstätte beschloss die Gemeinde, das Don-Bosco-Haus für sich als Gemeindezentrum zu nutzen: für Feste, Feierlichkeiten und Tagungen. 2002 wurde es umfassend modernisiert.

Im Garten zwischen Haus und Kirche legte die Kolpingsfamilie einen Spielplatz für die Kinder des Stadtteils an. Pater Aretz kennt diese Zeit nur aus Erzählungen, denn er kam erst 2010 nach Hannover, als Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Augustinus und Leiter des Konvents.

„Ich glaube, dass wir Salesianer den Gläubigen in den Gemeinden immer viel Freiraum gegeben haben“, sagt er. „Wir haben einen sehr familiären Umgang miteinander gepflegt und waren mit Freude dabei.“ Legendär seien die Karnevalssitzungen der Gemeinde gewesen und erfreuten sich noch heute großer Beliebtheit. Und: „Hier gibt es die zweitgrößte Kolpingsfamilie des Bistums“, sagt Pater Aretz stolz und zitiert den heiligen Johannes Don Bosco:. „Mit dem Herzen im Himmel, aber mit den Füßen auf dem Boden.“ Das sei hier immer spürbar gewesen.

Schule zu einem Ort der Kirche gemacht

St.-Augustinus-Kirche
Bei der Verabschiedung der Salesianer ist die
St.-Augustinus-Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt.

Auch im nahen St.Monika-Altenheim waren die Salesianer aktiv, ebenso als Schulseelsorger an der katholischen Ludwig-Windthorst-Schule. „Wir haben dazu beigetragen, dass die Schule zu einem Ort der Kirche geworden ist“, sagt Pater Harald Neuberger. Er ist erst seit zweieinhalb Jahren in Hannover – und Schulseelsorger. Trotz der kurzen Zeit hat er die Schule und ihr Kollegium ins Herz geschlossen.

„Ich wurde hier bedingungslos aufgenommen und muss die Möglichkeiten, die ich für meine Arbeit sehe, jetzt loslassen“, sagt er. „Es gibt viel Not. Die Arbeit wäre da, aber wir haben nicht die Ressourcen.“ Auch Pater Aretz fällt der Abschied nicht leicht: „Ich wollte eigentlich bis zu meinem Ruhestand hierbleiben und habe mich wohl gefühlt, aber wir beide können auch die Gründe verstehen, warum wir versetzt werden.“

Von Marie Kleine