09.02.2018

Aschermittwoch der Künstler

Die Passion steht im Mittelpunkt

Mit einem Besuch von Bischof Josef Homeyer veränderte sich ab 1992 der Aschermittwoch der Künstler im Bistum Hildesheim. Standen in den Jahren zuvor Vorträge beim Empfang des Bischofs im Mittelpunkt, nahm diesen Platz nun die Kunst selber ein. Dafür sorgte vor allem Professor Gerd Winner – selbst Künstler, Katholik und international überaus gut vernetzt.

Den Impuls für die neue Form des Aschermittwochs
der Künstler lieferte Bischof Josef Homeyer, die Idee
und die Umsetzung kam von Professor Gerd Winner:
„Aber es gab viele, die mich unterstützt haben, ohne
die diese große Aufgabe nicht zu schaffen gewesen
wäre.“ | Fotos: Edmund Deppe

Gerd Winner wohnt in einem Barockschloss in Liebenburg. Eines Tages im Jahr 1991 klingelte es bei ihm und Bischof Dr. Josef Homeyer stand vor der Tür. „Er besuchte mich in meinem Atelier, um mit mir über eine Neuausrichtung des Aschermittwochs der Künstler in Hildesheim zu sprechen“, erzählt Winner. Der Bischof wollte Impulse mit ihm diskutieren, die im Dialog  mit dem österreichischen Bischof und Kunstexperten Dr. Egon Cappellari, selbst schon Gastredner beim Aschermittwoch der Künstler in Hildesheim, aufgetaucht waren.

Winner war überrascht, dass sich Homeyer an ihn wandte, hatte er bis dahin keinen Kontakt mit ihm gehabt. Doch das sollte sich bald ändern, denn man hatte Homeyer geraten, „mit ihnen ein Konzept für den Aschermittwoch der Künstler zu diskutieren“. Doch beim Diskutieren blieb es nicht. Mit seinen Anfangsideen rannte der Hildesheimer Bischof bei Winner offene Türen ein.

Als Nachfolger Bernwards der Kunst verpflichtet

Was war der Auslöser des Bischofsbesuchs gewesen? Darauf antwortete Bischof Josef, dass er sich als Nachfolger von Bischof Bernward, auf dessen Bischofsstuhl er sitze, gerade hier und jetzt berufen fühle, den Dialog Kunst und Kirche zu fördern“, erinnert sich Winner. Außerdem wolle er neue Wege beschreiten, um dem Aschermittwoch der Künstler neue Impulse zu geben. „Er hielt es für ratsam, die Positionen der Kreativität aus Künstlersicht zu beleuchten. Und deshalb kam er zu mir.“

Winner ging theologisch an die Neukonzipierung heran. „Für mich war wichtig, den Aschermittwoch als das zu sehen, was er originär ist: der Beginn der Fastenzeit, die mit der Passion Chisti endet. Das war die Grundlage für mein Konzept. Und mir lag viel daran, in einen echten Dialog zwischen Kunst, Künstlern und dem Forum der Gläubigen zu treten. Deshalb habe ich Ausstellungen von Künstlern zum Thema Passion vorgeschlagen“, betont Winner.

Nachhaltig – auch über Ostern hinaus zu sehen

Der Aschermittwoch der Künstler sollte nicht mehr nur ein kurzes Treffen des Bischofs mit Künstlern sein, sondern durch die Ausstellung, die über Ostern hinaus für ein interessiertes Publikum zugänglich wäre, einen nachhaltigen Charakter bekommen. Diese Idee überzeugte Bischof Josef Homeyer. Bereits 1992 kuratierte Winner seine erste Ausstellung zum Aschermittwoch der Künstler in Hildesheim. „Dafür konnte ich Professor Roland Dörfler gewinnen, der seinen Passionszyklus im Bischöflichen Generalvikariat zeigte.“
 

Eine Bronzescheibe mit Schädeln und Knochen.
Ein Werk von Hans Baschang.

Doch Winner machte sich nicht allein ans Werk: Theologische Fachkompetenz fand er bei den Dominikanern in Braunschweig. „Pater Hans Albert Gunk kannte ich von der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche St. Albertus Magnus her. Da hatten wir schon gut zusammengearbeitet und diese Zusammenarbeit bauten wir in den kommenden Jahren weiter aus.“ Zu den theologischen Beratern Winners gehörte auch Regens Walter Kalesse und aktuell steht Künstlerseelsorger Pastor Ulrich Schmalstieg dem Liebenburger Künstler zur Seite.

Eine Zäsur brachte das Bernwardjahr 1993 mit der großen Bernward-Ausstellung im Roemer- und Peliziaeus-Museum. Auch der Aschermittwoch der Künstler inklusive der nun fest dazugehörenden Kunstausstellung zog hierher um. Für diese Jubiläumsausstellung konnte Winner den Hamburger Kunsthis­toriker Jürgen Schilling gewinnen, der die Ausstellung konzipierte und Künstler von Weltrang nach Hildesheim holte. „Passion in der klassischen Moderne hieß die Ausstellung und wir konnten Werke von Barlach, Beuys Fontana, Kokoschka und vielen anderen namhaften Künstlern zeigen.“

Die Idee von Bischof Josef, Künstler der Gegenwart dorthin zu holen, wo einst im Mittelalter zu Zeiten Bischof Bernwards ein Zentrum der europäischen Kunst war,  ging auf.

„Durch die Kooperation mit dem Roemer- und Pelizaeus-Museum konnten die Ausstellungen nun großzügiger gestaltet werden. Sie rückten mehr in das öffentliche Interesse nicht nur der Hildesheimer. Wir hatten, glaube ich, das erreicht, was sich Bischof Josef als Nachfolger des Künstlers Bischof Bernward gewünscht hatte: Einen nachhaltigen Dialog zwischen Kunst, Künstlern, Kirche und einer breiten Öffentlichkeit“, ist sich Winner sicher.

„Ganz besonders dankbar bin ich dafür, dass Bischof Norbert Trelle die Idee von Bischof Josef fortgeführt hat und sogar einen Künstlerseelsorger berufen hat, was keine Selbstverständlichkeit in der Kirche ist. In all den Jahren, die ich am Aschermittwoch der Künstler mit den dazugehörigen Ausstellungen mitarbeite, konnte ich mich immer auf ein kompetentes Team in Hildesheim unter der Leitung von Professor Michael Brandt verlassen, der für mich mehr als nur ein Partner war. Ihm, den theologischen Beratern, den Mitarbeitern des  Dommuseums – namentlich Professorin Claudia Höhl, Professor Manfred Boetzkes vom Roemer- und Pelizaeus-Musem sowie den Leitern der Dombibliothek Jochen Beppler und Dr. Monika Suchan bin ich zu großem Dank verpflichtet“, betont Winner und verweist auf die inzwischen herausragende Rolle der Dombibliothek in der aktuellen Form der Veranstaltung.

Denn seit 1997 findet der Begegnungsteil beim Aschermittwoch der Künstler nach einem Gottesdienst in der Dombibliothek statt – mit Lyrik, Prosa und Musik. Doch Schwergewicht bleiben die Ausstellungen – inzwischen im neuen Dommuseum.

Künstler von Weltrang beteiligten sich: Ron B. Kitaj, Günther Fruhtrunk, Walter Dexel, Menashe Kadishman, Jean Ipousteguy, Emil Cimotti, Leo Kornbrust, Manfred Zimmermann, Marion Lidoldt, Stephan Schenk und viele andere. Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Fotografien, verschiedene Materialien wurden ausgestellt. Allen Gemeinsam: der Bezug zur Passion. „Es wäre schön, wenn dies auch über den aktuellen, den 32. Aschermittwoch der Künstler hinaus so bleiben würde, wie wir es mit Bischof Josef grundgelegt haben und es unter Bischof Norbert weitergeführt werden konnte“, wünscht sich Gerd Winner.

Zeichnungen und Skulpturen von Hans Baschang

In diesem Jahr freut sich Winner, dass es ihm gelungen ist, Zeichnungen und Skulpturen von Hans Baschang nach Hildesheim zu holen. „Zum einen handelt es sich um großformatige Bilder: Kohle – Kreide – reduziert“, beschreibt er. Es geht immer um eine Reflektion des Inneren. Aus dem Zentrum, aus dem Inneren geht es nach außen. Baschangs Zeichnungen scheinen räumlich zu sein, bereiten seine Skulpturen vor. Baschang arbeitet figürlich, zielt in seinen Werken auf die Verbindung von Einfachheit und Komplexität. „Ursprung und Reflexion sollen einander durchdringen wie Körper und Raum einander durchdringen in der konzentrischen Bewegung künstlerischen Tuns. So  hat es einmal Wieland Schmied treffend formuliert“, findet Winner.

Edmund Deppe

Mehr Infos zum Aschermittwoch der Künstler und zur Ausstellung  „Hans Baschang – Zeichnungen und Skulpturen“ gibt es auf der Homepage des Bistums Hildesheim: www.bistum-hildesheim.de